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Salomo und die Königin von Saba
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Jerusalem im Jahre 950 vor Christus. Begleitet von einer Handelskarawane mit unermesslichen Reichtümern ist die sagenhafte Königin von Saba in der Hauptstadt des neuen israelitischen Grossreichs eingetroffen. Ein Staatsbesuch der Superlative: Die Herrscherin des fernen arabischen Sabäer-Reiches gilt als eine der schönsten Frauen jener Tageund ihre Karawanen beherrschen den Handel aus Afrika und dem Fernen Osten.Doch auch der Gastgeber wird von seinen Zeitgenossen bewundert: König Salomo hat von seinem Vater David ein orientalisches Großreich geerbt. Ein Monopol auf wichige Handelsrouten und Rüstungsexporte haben ihm unermesslichen Reichtum beschert. Der König ist ein hochgebildeter Mann und macht grosse Anstrengungen, das frühere Nomadenvolk an den Kulturstand der grossen Zivilisationen heranzuführen. Dem alten Nationalgott der Israeliten hat er einen herrlichen Tempel gebaut. Die Hauptstadt wurde mit prunkvollen Palastbauten ausgestattet. Die Militärherrschaft seines Vaters David hat Salomo durch eine diplomatische Heiratspolitik ersetzt. Auch die fremde Königin scheint dem Charme ihres Gastgebers zu erliegen.Sein Glanz überstrahlt die Jahrtausende. Auch wer viele andere Gestalten der biblischen Geschichten längst nicht mehr im Gedächtnis hat, kennt noch den Namen des großen Königs Salomo. Er baute den berühmten Tempel in Jerusalem. Und sprichwörtlich geworden sind seine sagenhafte Weisheit wie sein märchenhafter Reichtum und Luxus.Nur einmal in seiner dreitausendjährigen Geschichte hat das Volk der Juden für eine kurze Zeit den Rang eines orientalischen Großreichs besessen. Nur einmal stand ein König an seiner Spitze, der sich in Macht, Reichtum und Bildung mit den großen Fürsten der alten Welt messen konnte. Kein Wunder, dass diese Epoche schwärmerisch verklärt wurde, als Einheit und Wohlstand schon bald verloren waren, und das Volk der Juden wieder als Spielball der Großmächte um sein Überleben kämpfen musste.Spätere Generationen malen das Bild eines „Goldenen Zeitalters“: „So war der König Salomo größer an Reichtum und Weisheit als alle Könige auf Erden. Und jedermann brachte ihm jährlich Geschenke, silberne und goldene Geräte, Kleider und Waffen, exotische Gewürze, Rosse und Maultiere. Und der König brachte es dahin, dass es in Jerusalem so viel Silber gab wie Steine und so viel Zedernholz wie wilde Feigenbäume in den Tälern...“ Der Bericht vom Besuch der exotischen Königin aus dem fernen Weihrauchland von Saba versammelt den ganzen Märchenglanz dieser Epoche auf einen Punkt: Reichtum und Macht, Weisheit und Schönheit, Luxus und Erotik - eine Begegnung, die bis heute die Phantasie der Menschen bewegt.Dass dieser ganze Reichtum vom einfachen Volk mit unerträglichen Lasten erkauft wurde – das hat die Nachwelt vielfach verdrängt. Und der Glanz währte nur ein Menschenleben lang. Als Salomo starb, zerfiel sein Reich und das Volk Israel spaltete sich in zwei rivalisierende Kleinstaaten. Tausend Jahre nach Salomo setzte dann ein einfacher Wanderprediger aus Nazareth der verklärten Erinnerung seine eigene Vision vom einfachen Leben entgegen: „Seht die Lilien auf dem Felde an wie sie wachsen. Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Und doch sage ich euch: Selbst Salomo in aller seiner Pracht ist nicht gekleidet gewesen wie eine von ihnen.“