Hier spricht Radio Tyrus
Der Wundertäter
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„Die Zeit ist am Ziel und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Kehrt um zu Gott und glaubt an das Evangelium!“ – Mit diesen Worten tritt vor etwa 2000 Jahren ein Mann ins Licht der Weltgeschichte, der dafür wohl die allerschlechtesten Voraussetzungen mitbringt: Angehöriger eines verachteten Volkes in einem besetzen Land an der fernen Peripherie des Römischen Weltreichs. Sohn einer Handwerkersippe aus einem winzigen und abgelegenen Bergdorf.Für eine kurze Zeit zieht er predigend durch ein ländliches Gebiet von kaum mehr als drei Tageswanderungen im Umkreis und sammelt ein Dutzend Schüler – Leute aus einfachen Verhältnissen wie er selbst. Das Volk verehrt ihn als einen Propheten, denn er predigt aus innerer religiöser Vollmacht und nicht wie die beamteten Sachwalter ihrer Religion. Die fühlen sich bald durch seine wachsende Popularität bedroht. Und als der unorthodoxe Prediger es schließlich wagt, das zentrale Heiligtum in der Hauptstadt aufzusuchen, finden sie einen Vorwand, ihn von der Besatzungsmacht hinrichten zu lassen.Während seiner kurzen Wirksamkeit hat der Prediger immer betont: Seine Botschaft sei wie ein Samenkorn. Einmal in die Herzen der Menschen ausgestreut, sei das Wachstum nicht mehr aufzuhalten. Das bewahrheitet sich nach seinem Tode auf eine erstaunliche Weise. In der Wirksamkeit seiner Anhänger zeigt der Hingerichtete immer wieder neu, wie lebendig und gegenwärtig er den Menschen ist – bis heute.Dahinter scheint das historische Leben des Jesus von Nazareth manchmal fast ganz aus dem Blick zu verschwinden. Die in der christlichen Bibel überlieferten Texte waren ja nach ihrer Auswahl und Erzählweise vor allem dazu bestimmt, den frühen christlichen Gemeinden als Predigt- und Erbauungsliteratur zu dienen. In neuerer Zeit hatte man deshalb lange den Eindruck, über die historische Person Jesu ließe sich überhaupt nichts Sicheres mehr feststellen. Es waren vor allem jüdische Forscher, die nachgewiesen haben, wie stark die biblische Gestalt des Mannes aus Nazareth wieder historisches Profil gewinnt, wenn man sie in das geschichtliche Umfeld des Judentums jener Zeit zurückversetzt.